Bloggertreffen auf der Süddeutschen Spielemesse 2012

Vor zwei Wochen habe ich auf der Süddeutschen Spielemesse ein Bloggertreffen für die Landesmesse Stuttgart organisiert. Wir waren zwar leider nur eine kleine Runde – aber dafür ist die Diskussion deutlich intensiver gewesen. Und so kam das Treffen bei Bloggern und Spieleautoren gleichermaßen gut an. Hier mein Rückblick.

Treffpunkt für uns war der Stand der Spieleautorenzunft (SAZ), sodass wir dort direkten „Zugriff“ auf die Spieleautoren hatten. Genau die sind es nämlich, die bei den Gesellschaftsspielen leider immer noch nicht die selbe Rolle einnehmen, wie Autoren bei ihren Büchern. Neben einem Einblick in die Arbeit der Spieleautoren, diskutierten wir fleißig die Frage, wie man diese und andere Punkte der Spieleentwicklung optimieren und vielleicht auch durch unsere Social-Media-Erfahrungen verbessern könnte.

Aber erst mal zu den Teilnehmern der Runde, den wir wollen ja gleich die Akteure in den Mittelpunkt stellen:
Daniel Danzer, der unter anderem über die Ideen hinter dem Kartenspiel zu SteamNoir gesprochen hat.
Gerhard Junker, hauptberuflicher Gestalter, der mit Limes im Crowdsourcing „erfolgreich gescheitert“ ist, aber dennoch weiter Spiele erfindet.
Klaus Kreowski, der schon diverse Spiele veröffentlicht hat und ganz sympathische Kinderspiele mit dabei hatte.
Günter Burkhardt, der schon über 50 Spiele bei verschiedenen Verlagen im Angebot hat
Hubert Mayer, der bei allem dabei ist, was in Stuttgart mit Social Media zu tun hat und Brettspiele (vor allem TAC) liebt.
Mika Kienberger, die als Mutter zweier Kinder sich vor allem auch für Kinderspiele interessiert.
Sascha Schilling, der als Affiliteur vor allem die digitale Branche in und auswendig kennt.
– Jens Thielke der mit der Spiele-Akademie ein bekanntes Rezensionsblog betreibt.
Frederik Proß, der uns auf der Twitterwall aufgefallen war und kurzfristig dazu kam.
– Und schließlich ich, Social-Media-Urgestein in Stuttgart und Organisator des Events.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde sprachen die Autoren über ihre Arbeit und die Spieleautorenzunft. Dort sind etwas 450 von ihnen zusammengeschlossen. Wirklich leben können davon nur etwa 15 – je nachdem, wie man das genau definiert. Einige haben beispielsweise zusätzlich noch eigene Verlage, die zum Einkommen beitragen.

Seit den 80er Jahren entstanden immer mehr Kleinverlag. Durch die heutige Möglichkeit von Crowd-Sourcing verstärkt sich dieser Trend weiter. Kritisch betrachtet haben wir die Spiele-Schmiede, einem Crowd-Funding der Spiele-Offensive. Zum einen ist der Fokus auf diesen Anbieter sehr stark, zum anderen gibt es dort Entscheider, welche Spiele gesourct werden – was die Idee hinter Crowd-Sourcing ad absurdum führt. Denn dort soll ja die Community nicht nur das Geld bereitstellen sondern dabei auch über das Wohl oder Wehe der Idee mit entscheiden.

Aber nicht nur die Herstellung des Spiels kann über Crowd-Funding finanziert werden: Einige US-Verlage haben sich auf diesem Weg Geld für eine Teilnahme an der Messe in Essen besorgt. Und alte Klassiker, die in den regulären Verlagsprogrammen keinen Platz mehr finden, leben auf diesem Weg inzwischen wieder auf.

Weitere Unterstützung für die eigene Produktion und Umsetzung von Spielen kommt aus der Computerwelt. Denn durch die heutige Technik, beispielsweise im Bereich der Design-Software sind viele Autoren in der Lage, Teile der Postproduktion selbst zu übernehmen. Wer beispielsweise wie Gerhard auch noch Grafiker ist, kann so das komplette Spiel selbst für die Produktion vorbereiten.

Allerdings geht das natürlich nicht ohne Feedback. Dazu treffen sich die Mitglieder der SAZ immer wieder zu offenen Treffen und tauschen sich aus. Hier bekommen auch Neueinsteiger von den „alten Hasen“ Verbesserungsvorschläge. Das ist um so erfreulicher, da die Vorlaufzeit für Gesellschaftsspiele durchaus 1-3 Jahre betragen. Ähnlich wie wir das auch bei Startups betrachten, scheint dabei die Zeit für bestimmte Ideen „reif“ zu sein, sodass sich die Autoren dann doch manchmal ärgern, dass ihre Idee nun schon von jemand anderem veröffentlicht wurde. Aber eben ohne, dass hier abgekupfert worden wäre.

Noch ein paar Informationen, die ich über die Entwicklung mitgenommen habe:
– Manche Spiele entstehen aus Themen heraus (vor allem Kinderspiele), manche aus den Spielmechanismen. Bei erfahrenen Autoren meistens über den Spielmechanismus und das Thema kommt so auf „halber Strecke“ dazu.
– Autoren sind in der Regel nicht auf Kinder- oder Erwachsenenspiele konzentriert.

Sehr tief haben wir das Thema der Altersangaben besprochen. Was sagt ein „ab 6 Jahren“ oder „ab 8 Jahren“ auf der Schachtel eigentlich aus. So ist es typischerweise so, dass Spiele ab 8 Jahren Familienspiele sind, die sich auch an die Erwachsenen in der Familie richten. Spiele „ab 6“ sind Kinderspiele während solche „ab 10/12“ sich an erfahrene Spieler richten. Früher wurden auf vielen Verpackungen Familien gezeigt, die zusammen das Spiel spielen, was eine ganz andere Aussagekraft hat. Und die Altersangaben hängen stark von den Fähigkeiten der Kinder ab. Hilfreicher wäre es, den Spielmechanismus zu beschreiben. Damit könnten Kunden selbst entscheiden, was für sie bzw. ihre Kinder passt. Hier könnte ein QR-Code auf der Packung beispielsweise zu weiteren Informationen führen.

Natürlich erlebt auch die Spielebranche ein Aussterben der Läden und einer Verlagerung hin zum Online-Geschäft wie andere Branchen auch. Das kann für die vorherige Frage auch eine Chance sein. Der kleine Laden, in dem man die Spiele wirklich erklärt bekommt, kann sich profilieren. Online kann man zum Beispiel ein Erklärungsvideo mit dem Shop verknüpfen.

Eine Besonderheit der Branche im Vergleich zu den Büchern soll nicht unerwähnt bleiben und weißt auf den Informationsmangel bei den Kunden hin: Bei Spielen werden in den Spielwarenabteilungen immer die alten Klassiker groß beworben während Neuheiten eher ein unbeachtetes Dasein fristen. Man stelle sich das für andere Branchen vor …

Bleibt die Frage, wie sich Autoren selbst mehr in den Vordergrund stellen können. Wir haben hier die Einsatzmöglichkeiten neuer Medien besprochen. Sehr viel ist da aber aktuell nicht zu erwarten, weil die Verlage da doch noch am längeren Hebel sitzen. Ein Beispiel: Wenn du ein Buch bei Amazon anschaust, siehst du direkt den Autor mit Link zu all seinen anderen Titeln. Bei Brettspielen befindet sich dort der Verlag.

Mehr Blogberichte bei Hubert, Mika und Jens.

Da das dieses Jahr so gut geklappt hat: Auf ein Neues in 2013! Dafür ist auch klar, dass wir das Treffen am Wochenende durchführen werden. Weitere Änderungswünsche von Teilnehmern und Interessenten bitte unten in die Kommentare. Danke!

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