Neulich gespielt: Millionen von Schwalben
Zur Zeit ist Deutschland, wenn überhaupt, ja eher im Handballfieber, aber die nächste Fußball-WM kommt bestimmt (oder früher die Europa-Meisterschaft ). Und wer sich die Zeit bis dahin verkürzen will, greift zu diesem Spiel. Hier wird ein ganzes internationales Turnier mit allen Paarungen durchgespielt bis der Weltmeister feststeht, dabei sind Überraschungen nicht ausgeschlossen, denn es handelt sich um einen sehr satirischen Blick auf das Turniergeschehen.
Schon der Titel ist doppeldeutig, einerseits geht es um Fußball aber am Ende zählt nicht der Titel, die Millionen (Rubel sind's im Spiel) auf dem Konto sind entscheidender. Das Startkapital kann bzw. sollte in Wetten eingesetzt werden, doch etwas Handgeld sollte man sich für das Turnier beiseite legen, denn die Schiedsrichter sind hier hin und wieder einer Extrazuwendung gegenüber durchaus aufgeschlossen. Doch zurück zu den Wetten: gewettet werden kann auf Viertelfinalteilnahme, Finalteilnahme und Weltmeister. Wobei das jeweils das für die Mannschaft zu erreichende Minimum darstellt. Eingesetzt wird jeweils die Spielstärke der Mannschaft als Betrag, die Gewinne sind dann fest je nach Ziel. Für jede Mannschaft darf nur eine Wette abgegeben werden, man ist da relativ frei, nur auf Deutschland muss jeder Spieler eine Wette abschliessen.
Millionen von Schwalben - Kurzübersicht
Preis: ca. 25 Euro
Spieler: 3-6 Personen
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 2 Stunden
Auszeichnungen: -
Typ: Wettspiel
Glücksfaktor: hoch
Autor: Urs Hostettler
Verlag: Fata Morgana
Bezugsquelle: Amazon (z.Z. nicht verfügbar), Spielehandel und -versand
Zu Beginn wählt man einen Spielplan und die beteiligten Nationen aus. Die Favoriten Brasilien, Argentinien, Frankreich und Deutschland sind gesetzt, den Rest wählt man nach Geschmack der Mitspieler. Einige "historische" Spielpläne findet man auf der Webseite des Verlags . Nach der Gruppeneinteilung nehmen sich die Spieler reihum die Mannschaften, so daß jede Mannschaft von einem Spieler geführt wird und ein Spieler auch immer mehrere Nationen betreut.
Jede Mannschaft enthält dann ihrer Spielstärke gemäß mehrere Offensiv-, Defensiv- oder Spezialkarten. Die Karten der verschiedenen Mannschaften sind strikt getrennt zu halten. Man darf sie sich die Karten der eigenen Mannschaften ansehen, bevor die Wetten plaziert werden müssen.
Sind alle Wetten notiert, geht das Turnier endlich los. Nach dem Spielplan werden nacheinander alle Spielpaarungen ausgespielt. Die beteiligten Spieler nehmen die Karten der jeweiligen Mannschaften auf die Hand und ein dritter Spieler wird zum Schiedsrichter (dieses Amt wechselt immer reihum). Der "Gastgeber" darf sich als Heimvorteil eine zusätzliche Karte ziehen, dafür fängt der Gegner an. Wer an der Reihe ist, darf eine Offensivkarte ausspielen, z.B. "Hoher Flankenball auf den Elfmeterpunkt - Angriff 2". Wenn keine Abwehrkarte gespielt wird, muß der Angriffswert plus ein Würfelwurf mindestens 7 ergeben, damit es ein Tor wird. Doch der Gegner darf mit Abseits oder Foul abwehren. Auch da wird gewürfelt, ob das jeweils klappt. Der Schiedsrichter darf dabei nach eigenem Gutdünken jeden Würfelwurf um einen Punkt erhöhen oder erniedrigen (nicht bei Torschüssen) und auch bei Aktionen auf der Strafraumgrenze liegt die Entscheidung bei ihm, ob das eher innerhalb oder außerhalb stattfand (sprich: ob es Elfmeter gibt oder nur einen Freistoß). So geht das hin und her, bis keiner mehr eine Offensivkarte spielen will. Auch Absprachen über den Ausgang des Spiels sind durchaus zulässig, allerdings ist da immer die Ungewissheit über den Schiedsrichter, denn jeder Spieler darf einmal während des Turniers einen Elfmeter aus heiterem Himmel pfeifen. Da kann das abgesprochene 0:0 dann doch noch ganz schnell zum Sieg werden.
Mit den Karten heißt es haushalten, denn es werden nach einer Partie nur wenige nachgezogen, einzig die Spezialkarten dürfen nach dem Einsatz in einem Spiel behalten werden. So versucht man, die Teams auf die man gewettet hat, im Turnier weiterzubringen. Da die Siegprämien für die Trainer am Ende nicht sehr hoch sind, ist es oft sinnvoller auf einen Favoriten zu wetten und diesem mit einer eigenen Mannschaft keine Steine in den Weg zu legen oder eben mit einem eher aussichtslosen Kandidaten einen anderen Favoriten in einem harten Kampf zu schwächen. Und immer wieder hat der Schiedsrichter eigene Interessen. Scheint einem dieser zu befangen, darf man einmal im Turnier einen Schiedsrichter ablehnen (sofern man ihn nicht bestechen kann).
Der Ausgang des Turniers bietet dann durchaus Überraschungen. So haben wir die EM 2004 nachgespielt (wir erinnern uns: Griechenland wurde Meister). Bei uns besiegten im Finale die Tschechen den Underdog Bulgarien, das ich trainiert habe, und darauf allerdings keinen Penny, äh Rubel gewettet hatte.
Nach einer Partie, die sehr viel Spaß gemacht hat, halte ich den Glücksanteil für recht hoch, auch wenn man durchaus einiges drehen kann. Allerdings haben wir nicht einen Bestechungsversuch gesehen, was wohl auch daran lag, dass man bei der ersten Partie die zu erwartenden Gelder noch schlecht abschätzen kann und man auch den Einfluß des Schiedsrichter noch nicht so gut kennt. Das Spiel kommt bestimmt wieder auf den Tisch - allerdings dauert es auch bei einem Turnier mit nur 16 Mannschaften schon eine ganze Weile, doch die Spannung hält durchaus an.
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