Spielevorstellung: Die Siedler von Catan - Kampf um Rom
Nein, das ist keine neue Erweiterung für das sicher erfolgreichste Spiel der letzten 10 Jahre, vielmehr ist es ein eigenständiges Spiel, das sich nicht nur aus Marketinggründen des erfolgreichen Namens schmückt, es werden auch viele bekannte Basiselemente aus dem Siedler-Spiel verwendet bzw. variiert. Vergleicht man es mit den bisherigen Erweiterungen, Szenarien und Varianten so könnte man es am ehesten mit einem großen historischen Szenario bezeichnen.
Natürlich ist der Hintergrund nicht von der fiktiven Catan-Welt, sondern spielt zu Zeiten der Völkerwanderung im westlichen Teil des römischen Imperiums. Jeder Spieler besitzt einen Reiter- und einen Kriegerstamm, der von Germanien ausgehend, die italienischen Provinzen, Gallien und Spanien überfällt. In der ersten Spielphase werden die römischen Städte nur geplündert, irgendwann erobert ein Stamm eine Stadt, gründet ein Reich, wird sesshaft und dehnt sich dann von Stadt zu Stadt aus.
Kampf um Rom - Kurzübersicht
Preis: 27-32 Euro
Spieler: 3-4 Personen
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: ca 60-90 min
Typ: Handels und Ausbreitungsspiel
Glücksfaktor: mittel
Autor: Klaus Teuber
Verlag: Kosmos
Bezugsquelle: Amazon, Spielehandel

Der Spielplan zeigt Westeuropa unterteilt in die aus Siedler bekannten Sechsecke mit Ertragszahlen. Allerdings produzieren nur Erz-, Getreide- und Weidefelder, letztere allerdings keine Schafe, sondern zufällig Pferde oder Rinder. Auf 40 Kreuzungen befinden sich römische Städte, die mit einem verdeckten Plättchen versehen werden. Auf diesen Plättchen findet sich später das Ergebnis einer Plünderung. Die Spieler stellen jeweils ein Reiter- und eine Kriegerfigur auf eine Kreuzung in Germanien östlich des Limes. Außerdem werden je eine Figur und je ein Trosswagen auf die Anzeigefelder für die Stärke eines Stammes gestellt. Der Spielablauf ähnelt dem des bekannten Siedlerspiels, allerdings leicht variiert: Nicht jeder Spieler würfelt Rohstoffe aus, wenn er an der Reihe ist, stattdessen würfelt der Startspieler vier verschiedene Zahlen aus und alle Spieler erhalten die Rohstoffe, der Felder an denen Sie einen Stamm stehen haben. Danach können reihum alle Spieler handeln und bauen. Gebaut werden können nur Verstärkungen der Stämme durch Krieger und durch Trosswagen. Neben den Rohstoffen gibt es noch Gold (in sehr schönen Plastikmünzen), das beim Handel ebenfalls eingesetzt werden kann bzw. oft einen dringend benötigten Rohstoff ersetzt. Außerdem gibt es noch die Entwicklungskarten, die Vorteile im laufenden Spiel bringen.
Nachdem alle Spieler gehandelt und aufgerüstet haben, können Sie nacheinander zuerst mit dem Reiterstamm und dann mit dem Kriegerstamm aktiv werden (falls man verzichtet, kann man sich einen beliebigen Rohstoff oder Gold aus der Bank nehmen). Zu Beginn wandern die Stämme über den Spielplan und plündern Städte aus. Prinzipiell kann ein Stamm beliebig weit zu einer freien Kreuzung ziehen, wenn man die Kosten dafür bezahlt. Das ist geschickt gelöst: an vielen Sechseck-Kanten sind blaue Pfeile (außerdem gibt es Pfeile auf dem Meer, die Seereisen ermöglichen). Das Überqueren des ersten Pfeils ist kostenlos, jeder weitere Pfeil kostet Getreide oder Gold, wobei Reisen über das Meer nur ein Gold kosten und somit weitaus günstiger sind und dadurch schnelle Wechsel des Gebietes ermöglichen. Ist man stark genug, eine benachbarte Stadt zu plündern, deckt man das Plättchen auf. Meist muss man einen Stärkepunkt abgeben und gewinnt Gold pro vorhandenem Trosswagen und auch mal Weide- oder Entwicklungskarten. Jeder Stamm darf in jeder römischen Provinz maximal 2 Städte plündern. Schafft man jeweils eine Stadt in jeder Provinz, darf man sich „Plage Roms“ nennen und bekommt dafür 2 Siegpunkte. Theoretisch kann das jeder Spieler mit beiden Stämmen schaffen, allerdings darf dann kein Stamm zweimal in der gleichen Provinz plündern. Sobald ein Stamm in mindestens drei Provinzen jeweils eine Stadt geplündert hat, kann er auch eine Stadt erobern und ein Reich gründen. Er gibt damit die Wanderschaft auf und kann in Zukunft das Reich vergrößern, indem benachbarte Städte erobert werden. Für jede Stadtgründung sind eine Stammesfigur und ein Trosswagen nötig, die auf die Stadt gestellt werden. Eine solche Stadt ist einen Siegpunkt wert und bringt natürlich Rohstoffeinnahmen. Wer zuerst 10 Siegpunkte hat, gewinnt die Partie. Neben der erwähnten „Plage Roms“ gibt es weitere Sondersiegpunktkarten, ohne die man kaum gewinnen kann.
Wie spielt es sich nun? Das Spielgefühl ist natürlich ein völlig anderes, am ehesten kann man es vielleicht noch mit „Abenteuer Menschheit“ vergleichen, bei dem auch Stämme gewandert sind und Siedlungen hinterlassen haben. Aber auch hiervon weicht es erheblich ab, vor allem durch die Zweiteilung der Spielphasen. Je nach Spielweise kann die Aufbauphase in der nur gewandert und geplündert wird, sehr lange dauern. Entscheidend ist aber für jeden Spieler der Zeitpunkt, der Reichsgründungen, denn sobald ein Spieler damit angefangen hat, wird der Druck auf die anderen Spieler erhöht. Wer Städte hat, bekommt mehr Rohstoffe und wird sich dann auch schnell ausbreiten können. Bei einer langen Plünderungsphase sind dann eventuell auch schon genügend Trosswagen bei den Stämmen, so dass durchaus 2 Städte pro Runde drin sind. Die Ausbreitung der Reiche und damit der Gewinn der nötigen Siegpunkte war in allen bisher gespielten Partien die wesentlich kürzere Phase, trotzdem kam es auch schon zu sehr knappen Endergebnissen. Für die Fans der Siedler von Catan, denen auch schon die historischen Szenarien gefallen haben, ist das sicherlich ein Muss. Wer allerdings auch schon mit dem Grundspiel nichts anfangen konnte, sollte hiervon die Finger lassen.
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